Allgemeines

Das klinische Erscheinungsbild einer nicht durch Remineralisation kompensierten Säureeinwirkung ist die Erosion. In der Literatur findet man mitunter synonyme Begriffe wie Schmelzulcus. Die Erosion ist eine chronische, meistens schmerzlos verlaufende, zentripetale Defektbildung durch Schmelz- und später auch Dentinentkalkungen.

Ohne klinisch erkennbare Schmelzerweichung führt sie zur flächenförmigen Auflösung des Schmelzes. Die typische Lokalisation der Schmelzerosionen schließt Abrasionen aufgrund fehlender antagonistischer Kontakte der Zähne aus. Wir finden sie besonders häufig an den Labialflächen der Oberkieferfrontzähne. Seltener können sie auch primär an den Bukkal- oder Okklusalflächen von Prämolaren und Molaren vorkommen.

Solche Unterschiede sind auf verschiedene Ernährungsgewohnheiten zurückzuführen. Ein bevorzugtes Auftreten an den gaumenseitigen Flächen der oberen Frontzähne wurde als Perimylolysis bezeichnet und ist mit häufigem Aufstoßen und Erbrechen sauren Mageninhaltes in Zusammenhang gebracht worden.

Angaben über die Häufigkeit erosiver Veränderungen finden sich nur spärlich. Bei einer Untersuchung an 10000 extrahierten Zähnen wurden in 18% der Fälle typische Erosionen gefunden, bevorzugt an den Frontzähnen, Prämolaren sowie Eckzähnen und häufiger im Oberkiefer. Nach dem Grad ihrer Ausdehnung unterscheidet man zwischen Früh- und Späterosionen und zwischen progredienten und aktiven oder ruhenden Erosionen.

Frühläsionen sind klinisch kaum erkennbar. Erst wenn eine sichtbare Erosion entstanden ist, sucht der Patient den Zahnarzt auf, meist nach vergeblichen Bemühen, die unschönen Verfärbungen durch intensives Zähnebürsten wegzubekommen. Dadurch kann der vorhandene Defekt nur noch schneller an Größe zunehmen.

Bei oberflächenmikroskopischer Betrachtung ist die aktive Schmelzerosion an der deutlichen Darstellung der honigwabenartigen Prismenstruktur erkennbar. Eine fehlendes Prismenmuster ist offenbar der Hinweis für remineralisierende Vorgänge und das Kennzeichen für eine zum Stillstand gekommene Erosion. Bei den allermeisten Schmelzerosionen ist eine Entkalkung durch Fruchtsäuren als Ursache anzunehmen.